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Die Sache mit dem Hund

Ich habe es mir genau überlegt. Das schreibe ich an erster Stelle, weil ich immer wieder gefragt werde, ob ich es mir genau überlegt habe. Ja, und wie ich es mir überlegt habe. Die Sache mit dem Hund war keine Spontan- und schon gar keine Schnapsidee, sondern ein Herzenswunsch, der schon lange in mir drin ist und sich nur noch nicht so richtig herausgetraut hat. Ich will nicht meine Grenzen austesten, wenn ich meine Eltern darum bitte, einen Hund zu adoptieren, sondern ernsthaft Verantwortung übernehmen, einen tierischen Freund gewinnen, auch, wenn es nicht immer leicht sein wird. Ich habe es mir genau überlegt.

Die Idee mit dem Hündchen aus einer portugiesischen Tötungsstation (Perrera) kam allerdings zufällig. Und im Gegensatz zu Schnaps- und Spontanideen glaube ich, dass uns Zufallsideen eigentlich nicht zufällig, sondern sogar ziemlich absichtlich zugeflogen kommen. Es sind kleine Eingebungen, winzige glückliche Gefüge, deren absolute Richtigkeit sich sofort durch ein wonniges Gefühl im Herzen bemerkbar macht.

Vally. 3 Jahre alt. Eine kleine Podenca. 39cm hoch, 7kg schwer, einäugig, aber das ist nicht schlimm. Aus einer portigiesischen Perrera gerettet. Kein anderer Hund und ich habe es mir genau überlegt. Ich habe sie auf einer Internetseite gefunden, auf der es lauter zu vermittelnde Hunde aus dem Ausland gab. Ich habe sie gefunden und mich in sie verliebt. Dieser Hund oder keiner.

Da sie zurzeit in einer Pflegefamilie in Bayern lebt, haben wir sofort eine E-Mail geschrieben und Kontakt mit den Menschen aufgenommen, die sich so für das Wohl der Tiere einsetzen und für sie sich aufopfern. Noch am selben Abend erhielten wir einen Anruf und waren überglücklich, etwas von unserer kleinen Podenca zu erfahren.

Die Dame, mit der ich telefonierte, war sehr sympathisch. Sie erzählte mir, dass Vally sehr schmusebedürftig sei und am liebsten jedem überall hin folgen würde. Sie ginge schon prima ohne Leine, höre auch auf Grundbefehle, sei sehr sozial und vertrüge sich mit anderen Hunden, Katzen und auch Kleintieren, sofern diese nicht frei herumliefen. Alles kein Problem. Ich freute mich. Freuen ist untertrieben. Ich hätte am liebsten einen Luftsprung gemacht, so warm war mir ums Herz und ich spürte, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Diese Entscheidung geriet jedoch wieder ins Wanken. Doch ja, ich habe es mir inzwischen genau überlegt. Ich erfuhr in meiner Euphorie, dass Vally Ehrlichiose hätte, die "harmloseste" der fünf typischen Mittelmeerkrankheiten importierter Hunde, überspielte dies zunächst, ließ mich ganz leicht beschwichtigen und forschte erst am nächsten Morgen über diese Krankheit nach.

Die Erreger der Ehrlichiose werden durch einen Zeckenbiss übertragen und befallen die weißen Blutkörperchen. In diesem Punkt sind sich die Internetseiten alle einig. Danach gehen die Meinungen auseinander, was es sehr schwer gemacht hat, einen kühlen Kopf zu bewahren und sinnvoll zu entscheiden. Ich hatte damit zu kämpfen, nicht dem Schema zu verfallen: Was gut klingt, glaube ich, was schlecht klingt, tue ich eben als Blödsinn ab. Manche Seiten berichten von harmlosen Erkrankungsbildern, andere von schrecklichen Symptomen und niedriger Lebenserwartung. Einige Homepages sprechen für, wieder andere gegen die Adoption eines ausländischen Hundes, der krank ist oder krank sein könnte. Was ist also richtig? Bedenkenlosigkeit oder Worst Case?

Ich habe mich für den Mittelweg entschieden. Nichts, was ich gelesen habe, wird 100%-ig falsch sein. Alles stimmt ein bisschen, wenn auch nicht ganz. Also trifft man sich in der Mitte. Mein Fazit ist nun, dass Ehrlichiose eine ernstzunehmende Krankheit ist, dass ich damit rechnen muss, dass es schiefgehen kann und ich möglicherweise gezwungen bin, meinen heißgeliebten Hund im Falle eines Falles zu erlösen. Andererseits kann auch alles gut gehen und ich sollte mich dem Wagnis stellen. Denn ein Hund ist mein Herzenswunsch und ich werde eine schöne Zeit mit Vally haben, wenn ich auch nicht weiß, wie lange diese Zeit dauert. Vielleicht ist das genau der richtige Weg. Vielleicht lerne ich es durch Vally, das Wunder des Augenblicks zu genießen und zu begreifen, dass das Leben und unser Wohlstand alles andere als selbstverständlich, sondern in jedem Moment vergänglich sind.

Ich stelle mich. Ich tue es für einen Hund, der ein Leben voller Liebe verdient hat und für meinen Traum, der aus meinem tiefsten Innern kommt.

Dieses Blog widme ich Vally. Ich dokumentiere meine Berg- und Talfahrten mit ihr und alles, was mir noch so in den Sinn kommt.

Jedes Leben ist lebenswert und sobald Vally bei uns zu Hause ist, werde ich alles daran setzen, das ihre so schön wie möglich zu machen!

14.2.08 21:32


Heiter bis wolkig